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Von den Bögen

Die Komposition der Sprache

Ich muss euch enttäuschen. Das ist die Pflicht des Alters. Ich darf euch die Wahrheit nicht länger vorenthalten: Der Ruf nach Gleichheit ist nichts mehr als der arglose Wunsch, auf den die Natur ein Krapferl setzt. Der Kampf ums Gewicht bewegt unsere Schöpfung durch die Zeit, rüttelt an unserer Stabilität und hält uns lebendig. Und manche siegen und etliche verlieren. Schluckt die Krot.

So gilt‘s auch in der Kunst des Erzählens. Doch der Reihe nach, vom Kleinen bis ins Große:

Das T vom ST stampft sturer als das S(ch)!
Das P vom SP spuckt spontanter als das S(ch)!
Das F vom PF pfaucht pfiffiger als das P!

Die Stammsilbe tönt gewichtiger als die Vor- oder Endsilbe!

Ein Satz zielt wie ein Pfeil auf eines seiner Wörter. Punktgenauer auf nur eine Stammsilbe eines seiner Wörter, und damit biegt er auch schon wieder ab zu seinem Punkt, wohin er seine Stimme senkt und kurz verweilt. Das Betonen von schon zwei Wörtern in einem Satz muss einen guten Grund haben.

Ein Gedanke lenkt uns durchs Wirrwarr der nicht enden wollenden Möglichkeiten wie ein Gummiband von seiner Exposition bis hin zum Ende seiner Ausführung. Denn Sprache ist Komposition. Sie hat Rhythmus und Melodie und will gelenkt werden.

Drum nehmt euch den Rotstift und sucht in euren Texten die Punkte, die Höhepunkte, die Gedanken, die Pausen sowie die Spannungsbögen und führt den Zuhörer auf das Ziel hin. Vertraut dem nakten Wort und misstraut eurem Bedürfnis, zu interpretieren.

Published inGrundsätzlichesSprechtechnik

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